10. Dezember 2007

Vor der eingefassten Holztür unseres Weinkellers liegt seit gestern fast kniehoch der Schnee, doch wenn morgen die Sonne über den Gipfeln aufsteigt, schmelzen die Jahrhunderte alten Lettern am verwehten Türbogen wieder aus dem klirrenden Eis: „Wer in diesen Bergen wohnt, nährt sich von Schönheit jeden Tag“.
Das natürliche Wesen eben dieser Schönheit suchen wir in unseren Weinen zu bewahren, damit kein Tropfen je den Traum vom gelungenen Leben widerruft.

 

15. November 2007

Überwältigt von der Pracht dieses wundervollen Walliser Herbstes möchte man fast schon wieder meinen, dass wohl doch alles zum Schönsten steht in dieser besten aller Welten. Vergessen der regenreichste Sommer, den das Wallis seit über 200 Jahren erlebte. Vergessen die hinwegschmelzenden Gletscher, deren überpudertes Weiß sich jetzt so romantisch zwischen Himmelsblau und rotgefärbten Lärchen ausnimmt. So gern wir Menschen Trübsal blasen, wenn kalter Regen durch dichten Nebel sprüht oder das Nagelbett des kleinen Zehs sich entzündet, so ungerührt verstauen wir im Vergessen, wenn wir in einem perfekten Moment auf dem sonnigen Balkon Europas sitzen, das Leid der Vergangenheit, die Drohungen der Zukunft.

Entgegen allen hochsommerlichen Befürchtungen hat uns das Terroir in diesem späten Herbst mit prachtvollen Trauben beschenkt. Tiefschwarz, kleinbeerig mit fester, gespannter Haut, geschmacklich ausgereift und bei bester Gesundheit: Voraussetzungen für einen großen Wein, der sich in der langsamen Holzfass-Reifung nun allerdings erst beweisen muss. Die ersten Abstiche lassen das Beste erwarten, ein sicheres Urteil allerdings lässt sich je nach Wein erst in 6 bis 12 Monaten treffen. Doch wie auch immer, ob es großer Jahrgang oder nur ein schöner Jahrgang wird, wir sind voller Freude über ein gelungenes Jahreswerk und voller Enthusiasmus für die weiteren Versuche und Vorhaben in Mythopia.

Seid gestern liegt Schnee auf den letzten Blättern und Zweigen im Weinberg, für die Reben beginnt die Saison der tiefen Ruhe. Möge von dieser Ruhe auch Ihnen ein wenig vergönnt sein in der bald beginnenden Adventszeit,
Ihre Romaine und Hans-Peter Schmidt

16. Oktober 2007

wer noch nie Mythopia mit eigenen Augen sah, kann sich zumindest durchs Fernsehen nunmehr ein Bild davon machen. Unter dem folgenden Link läßt sich die französischsprachige Reportage aus den Nachrichten des TSR vom 15. Oktober nochmals übers Internet anschauen.

Morgengrauen am Erntetag

29. September 2007:

Dank eines wundervollen Septembers mit tiefblauen Tageshimmeln und kalten sternenklaren Nächten haben die Trauben in der letzten Phase Ihrer Reifung die bestmöglichen Bedingungen genossen. Das klimatisch verquerteste Winzerjahr seit Elterngedenken scheint somit nicht nur versöhnlich zu enden, sondern sogar Platz für die prächtigsten Erwartungen an den 2007er Jahrgang verschafft zu haben. Die kleinen Pinot Beeren sind tiefschwarz, dickhäutig, vollkommen gesund und bereits jetzt von erstaunlich aromatischer Fülle. Nächste Woche beginnen wir die Ernte in den unteren Lagen und werden voraussichtlich um den 15. Oktober im Clos des Martyres lesen. Alles scheint wie nach genialem Plan zu verlaufen, es sei denn, es wäre doch der Teufel gewesen, der uns bis hierhin an der Nase herumgeführt. Jedenfalls harren die Holzfässer der neuen Flüssigkeit und unsere Sorgen der Erleichterung, alles schadlos in die Sicherheit des Kellers gebracht zu haben.

In diesem Sinne,

Ihre Romaine & Hans-Peter Schmidt

Mitte September:

Der Winzer des biblischen Merav gab sein Herz hin für die perfekte Ernte seiner Reben. Zur Lese ließ er die tief purpurn leuchtenden Trauben nur von Jungfrauen berühren und sanft wie das Zerbrechlichste auf Erden in die ausgebreiteten Leinentücher zur Sonnentrocknung legen. Er hätte die Trauben dem Kellermeister von Gilboa verkaufen müssen, denn er war nur Pächter und hatte kein anderes Einkommen als die Ernte. Aber trotz aller Schulden, trotz aller Sorgen, die ... weiter hier

 

Ende August 2007:

„Gott macht nur das Wasser, doch der Mensch den Wein“, schrieb Victor Hugo zu Beginn des industriellen Zeitalters, als der Mensch so voller Stolz über die Errungenschaften seiner technischen Schöpferkraft war, dass er die Götter fast schon höhnisch aus dem Alltagsgeschäft verdrängte. Heute hingegen fegen in Griechenland Feuerstürme durch die ausgedorrten Göttertempel, denen der Himmel das Wasser verweigert. Und im Wallis ertrinken die Rebberge in unablässigem Regen, Regen, Regen. Als es in Olympia noch lebhaft zuging, spendete man den Göttern Wein, da der in den Amphoren herangereifte Wein so überwältigend, unbegreiflich, unbeschreiblich war, dass die Winzer meinten, nur durch das Zutun und die Anteilnahme der Götter hatte der Wein zu solch magischer Güte finden können. Schließlich wuchsen die Trauben von alleine und mussten nur geerntet und ausgepresste werden, damit die Hefen, von deren Existenz niemand wusste, den Rest der Arbeit übernehmen und aus abgefüllten .... weiter hier

 

Ende Juni 2007:

Zwar beträgt der Vegetationsvorsprung im Vergleich zu durchschnittlichen Jahren nicht drei oder gar vier Wochen, aber trotz aller Verzögerungsmaßnahmen sind die Reben auch im Clos des Martyres etwa zwei Wochen dem Kalender voraus. Für südliche Weinsorten wie Syrah oder Mourvèdre mag dies ein Segen sein, aber ein guter Pinot Noir liebt vor allem die warmen, sonnenreichen Oktobertage, die in Verbindung mit kalten Nächten für den geschmacklichen Reichtum sorgen. Wenn die Trauben schon Mitte September ausgereift sind, so haben sie zwar genug eingelagerten Zucker, aber die herrlichen Mineralien unserer Böden und die feinen, in der Haut eingelagerten Polyphenole haben noch nicht .... weiter hier

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20. April 2008

Seit gestern stehen die wilden Kirschbäume an den Rändern des Weinbergs in Blüte, die Bienen schwirren aus, die ersten Schmetterlinge tanzen auf den Wiesen. Die Knospen der Reben sind bereits wollig und zu Platzen gespannt, in tieferen Lagen brechen die ersten Blätter aus dem knorrigen Holz.

Die kostbare Zeit der Winterarbeiten ist somit endgültig abgelaufen, nun richtet sich die alltägliche Arbeit wieder ganz nach dem Gang der Vegetation und wir werden im üblichen Zyklus von (lesen Sie hier weiter...)