




Verglichen mit den umgebenden Weingütern, deren Böden eher grau und trostlos erscheinen, wirken die Parzellen des Gutes Domaine de Mythopia in der Nähe von Sion im Schweizer Kanton Wallis wie grüne Oasen. Vor einigen Jahren haben Hans-Peter und Romaine Schmidt damit begonnen, die Bodenfruchtbarkeit mit verschiedenen Begrünungsmethoden zu fördern, Wildsträucher zu pflanzen und Obst und Kartoffeln anzubauen. Grün und üppig wächst es zwischen den Reben schon vor der Austriebszeit, und es wimmelt geradezu von Vögeln, Insekten und anderen Tieren.
Nach den Anfangsjahren, in der der Idealismus der Schmidts dabei half, manche Durststrecke zu überwinden, ergab sich die Chance zu einem größeren Projekt: mit dem bekannten Weinhaus Delinat als Kapital- und Namensgeber wurde die gemeinnützige Stiftung "Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming" gegründet, deren Geschäftsführung Hans-Peter Schmidt übernahm. Gemeinsam mit einem südfranzösischen Weingut widmet man sich seitdem Forschungsversuchen zu Mischkulturen, der Entwicklung von Flora und Fauna im Weinberg und der Erzeugung und Verwendung von Bio-Kohle.
In Mythopia weht der Duft von Lavendel, Thymian und Salbei um die Nase des Besuchers. Zwischen den Weinreben wachsen Ringelblumen und Brunnenkresse, Rosen und alte Getreidesorten, Tomaten, Kürbisse und andere Gemüsearten. Um nützlichen Insekten genügend Nahrung zu bieten, wurde in Abständen von höchstens 50 Metern Obstbäume gepflanzt: Apfel, Pfirsich und Kirsche ebenso wie Quitte, Aprikose und Feige. Biologen und andere Besucher staunen über die Artenvielfalt, die sich hier innerhalb weniger Jahre entwickelt hat: Bei einer Zählung wurden 47 verschiedene tagaktive Schmetterlinge und über 150 verschiedene Wildpflanzen festgestellt.
Eine weitere Projektidee, nämlich Klimafarming, wurde hier im Jahr 2008 im ersten und bis dahin größten Feldversuch Europas umgesetzt: auf 3.000 Quadratmetern wird mit Schwarzerde gedüngt, einem mit Hilfe von Biokohle hergestellten besonders nahrhaftem Humus. Wissenschaftler sind überzeugt, dass auch wenig ertragreiche Landstriche in Afrika mit Hilfe von "Terra Preta" fruchtbar gemacht werden können. Die Weinreben, die in Mythopia auf Schwarzerde wachsen, sind jedenfalls trotz geringerer Wässerung größer als die auf benachbarten Grundstücken konventionell angebauten Reben.