Mythopia Blog




16. Februar 2010

Warum Biokontrolle?

von Hans-Peter Schmidt Hans-Peter Schmidt

Kein Winzer zweifelt daran, dass er den schönsten aller nur denkbaren Berufe ausübt. Kein Beruf ist vielseitiger, keiner so erfüllend, keiner zugleich so eng mit der Natur, dem Leben und Lebensgenuss verbunden. Winzer sind außerordentlich stolz. Winzer stellen die Freiheit über den billigen Komfort des Wohlstands. Winzer sind Anarchisten und Biowinzer sind es erst recht.

Was also bringt einen Winzer dazu, Bioinspektoren zu empfangen und ihnen die Scheunen, Keller und Aktenordner zu öffnen? Was bringt ihn dazu, sich die Polizei auf den Hof zu rufen, und für die Schnüffler auch noch zu bezahlen, damit sie besonders streng mit ihm verfahren?

Der Kunde will sicher sein, dass da, wo Bio drauf steht, auch nur Bio drin ist. Und der Winzer braucht den Kunden. Und zwar nicht nur als Käufer, sondern als seinen Partner, der die Wahrheit, die im Weine ist, auch als solche erkennt und schätzt. Erst der Kunde macht aus dem Wein das, was er ist, ein Genuss, ein Lebensgenuss, trotz allem, was das Leben sonst noch ist.

Gegenüber dem Wein geht der stolze Winzer keinen Kompromiss ein. Er macht ihn, so gut er es nur irgendwie vermag. Doch dem Kunden gegenüber zeigt er sich zu Eingeständnissen bereit, denn er braucht das Vertrauen derer, die den Wein aus seiner bloßen Dinghaftigkeit zu einem Kunstwerk voller Lebenskraft und Leidenschaft machen. Also holt er sich Zeugen auf den Hof, damit sie beschwören können, dass er in seinem Wahn zur höchsten Perfektion nicht mit chemischen Täuschungsmitteln hantiert.

1 Kommentar »

  1. Oder er holt sich den Kunden auf den Hof und öffnet ihm Tür und Tor (und läßt ihn zu jeder Jahreszeit durch den Weinberg laufen) – auch wenn ich zugebe, dass das manchmal viel Zeit kostet – führt es gleichzeitig aber auch zu vielen, bereichernden Begegnungen – und die sind nach der Einsamkeit im Weinberg und der Stille im Keller auch nicht zu unterschätzen:-)!

    Comment von Iris — 17. Februar 2010 @ 13:18

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