Mythopia Blog




30. Januar 2010

Messe Agrovina

von Claudio Niggli Claudio Niggli

Ende Januar findet jeweils die landwirtschaftliche und önologische Messe “Agrovina” in Martigny statt. Die Favres, Kompostspezialisten im Familienbetrieb von La Coulette, hatten uns im Vorfeld an ihren Stand eingeladen. Sowohl Kompost als auch Biokohle sollen in Zukunft vermehrt als Bodenverbesserer im Weinbau eingesetzt werden.

Am Mittwoch bin ich frohen Mutes ins riesige Gelände angereist – ich mag Messestimmung grundsätzlich und gebe gerne Auskunft über Zusammenhänge im nachhaltigen Weinbau und unsere Forschung. Als erstes wurde ich herzlich von Phillippe Favre empfangen und habe dann meine Bilderstrecke auf dem Flachbildschirm eingerichtet.  Sofort wurde ich aufmerksam darauf gemacht, wie wichtig es sei, auf Leute, die am Rande des Standes stehen bleiben, zuzugehen und sie anzusprechen. Da ausser Bekannte und Stammkunden der Favres sich kaum jemand in die Kernzone des Standes wagte, erwies sich solch ein Vorgehen am Vormittag als bitter nötig. Ich musste bald fesstellen, dass das Gros der Messebesucher sich vor allem für Handfestes wie Maschinen und Gerätschaften oder dann fürs Trinken interessiert. Der Nachbarstand von Felco beispielsweise, ein  Schweizer Scheren- und Sägenhersteller, war immer reich besucht. Diese Einsicht hat mich zu Beginn etwas entmutigt und manchmal stellte sich das Gefühl ein, mit unseren Ideen am falschen Ort gelandet zu sein. Doch an den Nachmittagen erschienen plötzlich zielstrebig Leute am Stand, die von uns in Artikeln im “Nouveliste” oder “Revue des Oenologes” gelesen hatten und nun mehr über die Arbeit des Delinat-Instituts erfahren wollten. Eine wohltuende, aber auch anstrengende Erfahrung, da lange Fachdiskussionen in Französisch immer noch eine Herausforderung für mich darstellen. Gleichzeitig durfte ich erfreut einsehen, dass doch wenigstens das Meiste verstanden wird.

Ich glaube, dass mit geschickter Argumentation, einer möglichst weitgehenden Vereinfachung der komplexen ökologischen Zusammenhänge und einer umgänglichen Art viel mehr (auch betagte) Weinbauern für neue Ideen zu begeistern sind, als die meisten wohl denken.

Claudio Niggli

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