Hingerissen von der Pracht dieses wundervollen Walliser Herbstes möchte man fast schon wieder meinen, dass wohl doch alles zum Schönsten steht in dieser besten aller Welten. Vergessen der regenreichste Sommer, den das Wallis seit über 200 Jahren erlebte. Vergessen die hinwegschmelzenden Gletscher, deren überpudertes Weiß sich jetzt so romantisch zwischen Himmelsblau und rotgefärbten Lärchen ausnimmt. So gern wir Menschen Trübsal blasen, wenn kalter Regen durch dichten Nebel sprüht oder das Nagelbett des kleinen Zehs sich entzündet, so ungerührt verstauen wir im Vergessen, wenn wir in einem perfekten Moment auf dem sonnigen Balkon Europas sitzen, das Leid der Vergangenheit, die Drohungen der Zukunft.
Entgegen allen hochsommerlichen Befürchtungen hat uns das Terroir in diesem späten Herbst mit prachtvollen Trauben beschenkt. Tiefschwarz, kleinbeerig mit fester, gespannter Haut, geschmacklich ausgereift und bei bester Gesundheit: Voraussetzungen für einen großen Wein, der sich in der langsamen Holzfass-Reifung nun allerdings erst beweisen muss. Die ersten Abstiche lassen das Beste erwarten, ein sicheres Urteil allerdings lässt sich je nach Wein erst in 6 bis 12 Monaten treffen. Doch wie auch immer, ob es großer Jahrgang oder nur ein schöner Jahrgang wird, wir sind voller Freude über ein gelungenes Jahreswerk und voller Enthusiasmus für die weiteren Versuche und Vorhaben in Mythopia.
Seid gestern liegt Schnee auf den letzten Blättern und Zweigen im Weinberg, für die Reben beginnt die Saison der tiefen Ruhe. Möge von dieser Ruhe auch Ihnen ein wenig vergönnt sein in der bald beginnenden Adventszeit,
Ihre Romaine und Hans-Peter Schmidt




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