Um einen Wein seriös zu verkosten, muss man nicht nur die ganze Flasche leeren, sondern die Verkostung des geöffneten Weines auf 10 Tage ausdehnen. Matthias Metze von SocialWine hat sich dies für den 2007er Clos des Martyres gegönnt. Hier seine Notizen:
Degustation am ersten Tag
Auf dem Etikett steht “Pinot noir naturel”; oft ist bei solchen Weinen nirgends etwas von “bio” oder “Naturwein” zu lesen, nur “non filtré”, nicht filtriert. Eingeweihte wissen dann, dass bei diesem Wein nichts vertuscht wurde. Eine Stunde vor dem ersten Verkosten, vor nun einer Woche, öffnete ich die Flasche. Meine Notizen: “Aromen von roten und schwarzen Beeren (Brombeeren!), schwarze Kirschen, intensiv aber nicht aufdringlich; am Gaumen samtig, feinkörniges Tannin, gute Säure, Beeren, elegant, leicht – sehr gute Länge“. Die nur 12 vol% Alkohol machen den Wein elegant und unbeschwert.
Zweiter und dritter Tag
Auf Rat von Hans-Peter Schmidt nahmen wir am ersten Tag nur einen kleinen Schluck aus der Flasche, um die Entwicklung des Weines über mehrere Tage zu verfolgen; die Notizen des zweiten Tages: “Aromen: komplexer, etwas erdiger, Leder(?), intensiver am Gaumen, aber nach wie vor schlanker Körper; schöne Länge“. Der dritte Tag brachte dann folgendes: “mehr schwarze Kirschen, kräftiger, noch intensiver; dunkle Schokolade, fülliger; Leder am Gaumen intensiver, Frucht am Gaumen weniger; kräftiger, mehr Körper“.
Höhepunkt?
“Entscheidend bei Naturweinen ist, dass sie unter Sauerstoffeinfluss weiterleben” sagt Hans-Peter Schmidt – auf dem Höhepunkt seien sie erst nach 7 Tagen. An den folgenden Tagen konnte ich dann wegen Abwesenheit nicht weiter verkosten. Am siebten Tag war ich wieder zu Hause, und sehr gespannt. Die Flasche war noch mehr als halbvoll, und wir hatten Freunde eingeladen, darunter ein vinophiler Südfranzose, der bevorzugt eben solche Naturweine trinkt. Und der Wein hatte sich weiter verändert: “besser (auch wenn das keine spezifische Aussage ist), Frucht nicht mehr so intensiv, etwas Brombeere ist noch da; öffnet sich am Gaumen, explodiert fast; zart-bittere Schokolade, deutlich Leder, komplexer, gewichtiger, reifer, rote Früchte ganz hinten im Abgang“.
Auf dem Höhepunkt? Ja, schon. Aber am ersten Tag war der Clos des Martyres auch schon sehr gut, frischer eben. Ich könnte mich nicht entscheiden, wenn ich bestimmen müsste, was nun der beste Zeitpunkt ist, diesen Wein zu trinken. Eins aber weiss ich genau: wenn ich das nächste Mal im Wallis bin, nehme ich mir einige Flaschen des knappen Weins mit – und wäre gespannt, wie sich der Wein in drei, fünf oder zehn Jahren macht.
Dank an Matthias Metze und Social Wine




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