Mythopia Blog




8. Februar 2010

Clos de Barbarie

von Hans-Peter Schmidt Hans-Peter Schmidt

Auf gut 800m, ganz am obersten Rande der Weinberge und unmittelbar unterhalb des ehemaligen Chateau d’Ayent, haben wir eine neue Parzelle Pinot Noir übernehmen können. Extrem steil, perfekte Südlage in windstillem Kessel und nachts summt vom Fels ein wärmendes Lied. Obwohl es die höchste Rebparzelle der Region ist, ist sie dank ihrer favorisierten Lage stets die erste, die schneefrei in der Morgensonne liegt. Es ist eine der landschaftlich schönsten Lagen, die sich im ohnehin verwöhnten Wallis für einen Rebberg vorstellen läßt. Terrasse für Terrasse schlängelt sich der Weinberg hinab, bis tief unten die Rhone silbern im Sonnenlicht spiegelt. Und gegenüber, über das Tal hinweg, erhebt sich die schneebedeckte Gipfelkette der Westalpen. An besonders klaren Tagen meint man, hingreifen zu können.

Der Winzer, der in so erhabener Umgebung seiner täglichen Arbeit nachgeht, ist ein Beschenkter. Das Glück seiner Augen überträgt sich auf seine Hände und von den Händen auf seine Trauben. Perfekt liegt der Weinberg in seiner Harmonie, der Winzer hütet sich vor unbedachten Eingriff, vermeidet Maschinenlärm, hasst die stinkenden Spritzmittel. Lieber pflanzt er noch einen Baum für den Duft der Frühjahrsblüte und den Gesang der Feldlerche.

clos-de-barbarie

Als Marc und ich am Freitag zum Rebschnitt in der Parzelle waren, entdeckten wir auf der dreieinhalb Meter hohen Trockensteinmauer der obersten Terrasse einen Feigenkaktus, und da wir noch keinen Namen für die neue Lage hatten, ließen wir uns vom französischen Namen des Kaktus – figue de barbarie – inspirieren und entschieden uns für Clos de Barbarie. Auf die Abfüllung des ersten Pinot Noir Clos de Barbarie werden wir uns noch zwei, drei Jahre gedulden müssen, aber wenn in den Weinbergen stehen, schmeichelt er uns schon jetzt den Gaumen.

Auf der Parzelle wächst übrigens schon seit über 700 Jahren Wein. Die derzeitigen Weinstöcke sind knapp 40 Jahre alt.

figuedebarbarie

Wahrzeichen des Clos de Barbarie

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